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Montag, 17. Juli 2017

Buchempfehlung: Gerd Reuther, "Der betrogene Patient"



An medizinkritischen Büchern herrscht in Deutschland kein Mangel. Dr. Gerd Reuther, Radiologe im Ruhestand, weiß das auch, trotzdem hat er mit "Der betrogene Patient" nun noch eines vorgelegt. Es ist umfassender als andere Titel auf diesem Gebiet, faktensatt und meinungsstark. 

Und dabei oft auch unterhaltsam. So verreißt Reuther fünf Umsatzbringer von Bayer und resümiert: "Schlechter kann es mit dem Therapieangebot auf dem Wagen eines fahrenden Quacksalbers nicht ausgesehen haben." Oder: Wenn es nach ihm ginge, müssten viele Medizinprofessoren Firmenlogos auf ihren Kitteln tragen, damit die Korruption sichtbar wird.  








Der Autor lässt nichts aus, was im Gesundheitssystem falsch läuft: sinnlose Vorsorge, Überdiagnostik und Übertherapie, die Machenschaften der Pharma- und Medizintechnikindustrie und ihrer Mietmäuler, die Pathologisierung großer Bevölkerungsteile durch willkürlich gesetzte Normwerte, die Psychiatrisierung des Lebens, die schädliche Langzeiteinnahme von Medikamenten, die Operationswut in den profitgetriebenen Krankenhäusern, den Genetik-Hype. Er traut sich sogar, Impfkampagnen zu kritisieren.  

Etliches davon ist nicht neu und kann es natürlich auch nicht sein. Aber so weit ausholend und detailliert hat es noch kein deutschsprachiger Autor beschrieben. Insofern ist dieses Buch auch eine beeindruckende Fleißarbeit (allerdings leider ohne Stichwortregister). 

Sehr viele Leserinnen und Leser werden feststellen, dass sie oder ihre Angehörigen Opfer dieses Apparats waren oder sind: sei es, weil man ihnen die Rachenmandeln rausgerissen hat, sei es, weil sie auf Dauer Medikamente einnehmen, die immer weniger wirken, sei es, weil sie am "Sargnagel" Rollator gehen (was Reuther zufolge ihren Gleichgewichtssinn verkümmern lässt, ihre Atemmechanik verschlechtert und sie einem erhöhten Risiko für Stürze nach vorn aussetzt).

Zwei Kardinalsünden hebt der Autor - neben der Profitgier der Akteure - immer wieder hervor: 

- dass der Betrieb die fatalen Folgen seiner Hyperaktivität ignoriert (Todesursache Behandlung) und 

- dass Mediziner heutzutage überhaupt nicht mehr nach Krankheitsursachen suchen.

Das führt uns zu dem Kapitel, durch das sich Reuthers Buch eminent von ähnlichen Generalabrechnungen unterscheidet: die "schädlichen Auswirkungen, die Umweltgifte, Medikamente oder industriell veränderte Lebensmittel auf uns Menschen haben". Sie stünden nicht im Fokus der Medizin. Dabei seien chronische Vergiftungen die häufigsten Todesursachen überhaupt, "wenn man Medikamente, Sucht- und Umweltgifte zusammenrechnet". Die Deutsche Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin scheine sich "bei industriellen und agrarischen Vergiftungen von Luft, Wasser und Nahrung eine Art Schweigegelübde auferlegt zu haben" (S. 120). Dazu passt, dass sie sich laut Reuther zum 50. Jubiläum eine Laudatio ausgerechnet von einem BASF-Mitarbeiter schreiben ließ.  

Die Ärzteschaft schweige, wenn Grenzwerte für toxische Substanzen angehoben würden, wie etwa 2014, als bei Lebensmitteln die zulässigen Höchstwerte für 1832 Toxine erhöht worden seien. Wenn Grenzwerte beispielsweise für Nitrate im Wasser flächendeckend überschritten werden, "dann verhallt die Meldung geräuschlos im Verschweigungs- und Vertuschungskartell der Verantwortlichen".

Jeder halbwegs informierte Zeitgenosse dürfte mitgekriegt haben, dass Insekten und Vögel in nie gekanntem Tempo verschwinden, und zwar direkt oder indirekt wegen der Pestizide. Dass Gifte wie Glyphosat und seine Beistoffe auch uns Menschen schädigen, wird auf weiter Flur geleugnet. "Während Morbus Parkinson in Frankreich als Berufskrankheit von Landwirten anerkannt ist, die Pestiziden ausgesetzt waren, gilt dieser in Deutschland grundsätzlich nicht als umweltbedingte Erkrankung" (S. 123). 

Bei den Luftschadstoffen vollzieht sich dasselbe üble Spiel: "Seltenen Erkrankungen wie der Lyme-Karditis (Herzmuskelentzündung durch Borrelien nach Zeckenbiss) widmet die Ärzteschaft größere Aufmerksamkeit als den in den letzten Jahren zunehmenden ultrakleinen Feinstäuben." Die Autoindustrie als geldschwere Lobby sei den Medizinern genauso unantastbar wie die Pharmaindustrie. Luftverschmutzung werde als "Risikofaktor" verharmlost, anstatt auf ihre Verminderung zu dringen. Allergien seien Diagnosen einer Medizin, die Symptome zu Krankheitsbildern mache und die Unterdrückung des Immunsystems als ernsthafte Behandlungsoption ansehe. 

En passant watscht Reuther sodann die Komplizenschaft der Medizin mit der Lebensmittelindustrie ab. Tierzuchtbetriebe als Massenkrankenlager, schädliche Kunststoffverpackungen, lukrativer Vitaminzirkus, Fetthysterie, Kohlenhydratmast für Diabetiker, alles wird gewürdigt. Die einzige überzeitliche Ernährungsempfehlung könne nur lauten, dass man eine Mischung weitgehend naturbelassener, nicht industriell raffinierter Nahrungsmittel mit möglichst wenigen giftigen Beistoffen in angemessener Menge essen sollte. 

Man wird Reuther nicht in allem folgen wollen, etwa wenn er das Anspruchsdenken von Patienten anprangert ("Lieber eine schlechte Behandlung als gar keine"). Dabei wird die Bevölkerung doch von früh bis spät mit Medizinmarketing zugeschüttet, eine Disease-Awareness-Kampagne nach der anderen rollt durch die Medien. Aus Sicht des Medizinbetriebs ist der "Arztmuffel" wahrlich ein größeres Übel als der Dauergast im Wartezimmer.



Gerd Reuther, Der betrogene Patient. Riva Verlag, München 2017, 398 Seiten, 19,99 Euro



Freitag, 12. Mai 2017

Raider heißt jetzt Twix



Es ist nicht ganz einfach, den Überblick über die Impfstoffe für Katzen und Hunde zu behalten. 

Das liegt u. a. an der Fusionitis in der Pharmaindustrie - Unternehmen werden aufgekauft, Produktpaletten bereinigt, usw.


Hier ein paar Neuerungen bei den Tollwut-Impfstoffen:


1. Die Tollwut-Komponente der Versican-Plus-Kombis (Staupe-Hepatitis-Parvo-Parainfluenza-Lepto-Tollwut; oder: Parainfluenza-Lepto-Tollwut) ist nunmehr für drei Jahre gültig. 

Wir würden allerdings diese Kombis, ob groß oder klein, nicht geben lassen, sondern einen Tollwut-Einzelimpfstoff.



2. Vanguard R heißt jetzt Versiguard Rabies und ist bei Hunden für drei Jahre zugelassen. 

Bei Vanguard R waren es nur zwei Jahre. Katzen würden wir dieses Produkt nicht geben lassen, da nur zwei Jahre gültig und mit Adjuvans.


3. Eurican LT heißt jetzt Eurican LR. 
Eurican SHPLT heißt jetzt Eurican DAP-LR.
Eurican SHPPi2LT heißt jetzt Eurican DAPPi-LR.

In allen drei Kombis war und ist die Tollwutkomponente (früher das T, jetzt das R) nur für ein Jahr gültig. Also keine gute Wahl


Es gibt Tollwutimpfstoffe für Hunde, die nach nur einer Impfung (ab 12 Wochen) für drei Jahre gelten: Nobivac T, Enduracell T und Versiguard Rabies. 

Und inzwischen hat ja auch die Stiko Vet eingesehen, dass das reicht.



4. Der Katzenimpfstoff Eurifel RCPT ist nicht mehr gelistet. Auch dieses Produkt war keine gute Wahl, denn erstens galt die T-Komponente nur für ein Jahr, und zweitens sollten Katzen grundsätzlich den adjuvansfreien Einzelimpfstoff erhalten. 

Falls die Tollwutimpfung überhaupt nötig oder sinnvoll ist. 


5. Bei den Tollwutimpfstoffen von Virbac (Virbagen-Produktreihe; Einzelimpfstoff oder Kombis) hat sich nichts geändert. Sie gelten nur für zwei Jahre (Hunde), bzw. "zwei bis drei" Jahre (Katzen). Warum nur zwei Jahre Gültigkeit, wenn man mit anderen Produkten drei Jahre haben kann?


©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/

Montag, 1. Mai 2017

Tiermedizin als Konzerngeschäft: Da ist Musik drin



Was kommt auf unsere Haustiere und auf uns zu, wenn auch in Deutschland Investoren Tierarztpraxen und -kliniken aufkaufen?

Nichts Gutes. Das zeigt die Entwicklung von Tierklinikkonzernen in anderen Ländern. 

Ein gewisser Dr. Michael Dicks, Chef der Wirtschaftsabteilung beim US-Tierärzteverband AVMA, hat in schöner Offenheit verraten, warum Kleintiermedizin für Investoren so attraktiv ist. 

Da ist nämlich noch richtig viel Wachstum drin. 

Aber nicht, weil sich die Leute immer mehr Tiere anschaffen, sondern weil man pro Patient viel mehr rausholen kann als heute üblich.


***

Der Laborkonzern Idexx (inzwischen auch hierzulande vertreten) hat vorgerechnet, dass ein Hund über eine Lebensspanne von zwölf Jahren 17.700 US-Dollar Umsatz bringen kann. 

Und zwar, wenn alles an ihm gemacht wird, was der Fachverband American Animal Hospital Association in diversen Richtlinien o. ä. als "standard of care", also Standards* in Diagnostik, Therapie und Prävention festlegt. 

Derzeit erwirtschaftet die durchschnittliche Tierarztpraxis in den USA laut Idexx nur 3600 US-Dollar pro Hundeleben

Bleiben also viele tausend Dollars, die man mit noch mehr Labortests, Impfungen, Antiparasitika etc. umsetzen könnte. 

In einem Konzern wird das nicht dem Zufall überlassen. Da wird durchregiert. Da haben nicht die Veterinäre, sondern die Betriebswirte das Sagen.


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Dicks ermuntert die unabhängigen Praxisbesitzer, selber auch die Chancen dieser "ideal care" ("Idealversorgung") zu nutzen. 

Nach dem Motto: Hier geht keiner mehr raus ohne Labor, Röntgen, Ultraschall, Impfung, Flohmittel und "Prescription-Diet"-Sack. 

Die Sache ist allerdings im wirklichen Leben nicht ganz so einfach. Dicks weist selbst darauf hin, dass das Einkommen der US-Haushalte in den letzten zwei Jahrzehnten gesunken ist, während die Tierarztpreise in derselben Zeit mehr als doppelt so stark gestiegen sind wie die Preise für andere Dienstleistungen und Waren. 

Für das künftige Wohlergehen der Tierärzte und für die Profite der Investoren müssten daher Strategien gefunden werden, um diese Lücke zu schließen, schreibt der AVMA-Ökonom. Welche Strategien das sein könnten, wenn die Leute immer weniger Geld haben, verrät er freilich nicht. 


Es könnte darauf hinauslaufen, dass die Betuchten nach allen Regeln der Kunst ausgenommen werden. Während die Katzen und Hunde der weniger Betuchten wegen der Preise gar nicht mehr zum Tierarzt kommen, auch wenn es dringend nötig wäre, etwa Katzen mit verrotteten Zähnen.  



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Ist es denn verwerflich, Haustieren immer mehr Leistungen angedeihen zu lassen?

Aus dem Bauch heraus würden sicherlich viele meinen, dass Prävention und Diagnostik für Katzen und Hunde immer eine gute Sache sind. 

Aber: Wissenschaftlich belegt ist das nicht.**

In der Humanmedizin werden Überdiagnostik, sinnlose bis schädliche Prävention und Übertherapie schon lange diskutiert. In der Veterinärmedizin ist das unseres Wissens kaum ein Thema. 

Nötig wäre es allerdings. 

Spätestens dann, wenn sich die Konzerne breitmachen



*Standards, die rein zufällig den Interessen von Laborkonzernen, Pharmaindustrie, Futterherstellern usw. dienen. Die mischen natürlich dabei mit. Und ganz uneigennützig bietet der Laborkonzern Idexx Tierärzten ein "Compliance Assessment Tool", das ihnen am Bildschirm anzeigt, was noch alles am Patienten gemacht werden könnte. Man könnte auch sagen: Wie man jeden Patientenkontakt maximal auslutschen kann, unter gebührender Berücksichtigung von Labortests. 

**Siehe zB Robinson et al. 2016, Investigating preventive-medicine consultations in first-opinion small-animal practice in the United Kingdom using direkt observation
"A greater evidence base is needed to determine whether these consultations, and the various aspects of patient health addressed within them, lead to positive long-term outcomes for the patient." (Hervorh. MP; sinngemäß: Es fehlt an Belegen dafür, dass Patienten mit regelmäßigen Check-ups auf lange Sicht gesünder sind als ohne.)



©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/










Donnerstag, 27. April 2017

Essen: Seminar zu Hundeimpfungen mit Mo Peichl


Letzte Chance für Anmeldungen:  


Die Hundeschule Findeklee veranstaltet am Samstag, dem 13. Mai, in Essen ein Seminar mit Mo Peichl zum Thema Hundeimpfungen. 







Weitere Infos siehe Facebook-Seite der Hundeschule Findeklee: 


https://www.facebook.com/events/801032633382719/




Und darum geht's:

-Staupe, Parvo, Tollwut und Co: Welche Impfungen brauchen Hunde, und auf welche kann man verzichten?

-Wenn die Impfpostkarte kommt: Jährlich impfen, dreijährlich impfen - wie oft muss der Hund gepikst werden?

-"Meinem Hund geht´s nach Impfungen immer so schlecht": Können Impfungen schaden?

-Welche Impfungen brauchen Welpen?

Teilnehmer/innen können die Impfpässe ihrer Hunde mitbringen und sich auf Wunsch erklären lassen, was die Tiere bisher bekommen haben. 



PS: Fragen zu Katzenimpfungen können, wenn die Zeit reicht, auch gestellt werden.




Sonntag, 23. April 2017

Tollwut-Impftiter oder: Alternative Fakten



Im US-Bundesstaat Connecticut setzen sich ein paar Abgeordnete dafür ein, dass Veterinäre Titertests statt dreijährlicher Tollwutnachimpfung machen können.  

Außerdem soll ihnen erlaubt werden, eine verminderte Impfdosis zu verabreichen, mit obligatorischer Titerkontrolle 14 Tage danach.*

Die Geschichte hat einen langen Vorlauf, in dem es um den Tierarzt Dr. John Robb geht. 

Er war Inhaber einer Praxis im Banfield/Mars-Konzern. Laut Robb wollte Banfield die Praxis ganz übernehmen, bot ihm dafür einen viel zu niedrigen Preis und schwärzte ihn bei der Tierärztekammer an, als er ablehnte. Robb hatte Hunden illegalerweise halbe Impfdosen verabreicht, weil er der Meinung ist, dass die volle Dosis zu viel ist für kleine Rassen. Er wurde vor die Tierärztekammer zitiert und gemaßregelt. 

Am Ende hat der Fall Robb immerhin bewirkt, dass das Thema Tollwut-Impfpflicht und Impfnebenwirkungen in Connecticut auf der politischen Agenda steht.  

Ein Gesetzentwurf zu Titerkontrolle statt Nachimpfung und Dosisverminderung plus Titerkontrolle wurde im Januar dieses Jahres vorgelegt. Im Februar fand ein öffentliches Hearing dazu statt. 

Und dieses Hearing ist ein Paradebeispiel dafür, wie in der Veterinärmedizin die Aussagekraft von Impftitern mal so und mal ganz anders gedreht wird - je nachdem, welcher Zweck verfolgt wird.  


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Gegen den Gesetzesvorschlag gaben u. a. die Tierärztekammer von Connecticut (Veterinary Medical Board), der US-Tierarztverband AVMA und Professor Richard Ford Statements ab. 

Als Befürworter reichten etliche betroffene Tierhalterinnen Stellungnahmen ein. 

Robb selbst und sein Anwalt plädierten für den Gesetzentwurf und wurden dabei von Professor Ron Schultz unterstützt, DEM Experten für Haustierimpfungen. 


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Kernargument der Gegner war,

dass Tollwut-Impftiter nicht mit Immunität korreliert seien

So zum Beispiel Professor Richard Ford in seinem Statement:

"A rabies antibody titer has NOT been correlated with 'protective immunity' in dogs and cats."


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Wie bitte?



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Professor Michel Aubert, früher Tollwutexperte bei der Welttiergesundheitsorganisation OIE, würde sich darüber bestimmt sehr wundern

In seiner Übersichtsarbeit "Practical significance of rabies antibodies in cats and dogs" (OIE Scientific and Technical Review, 1992) schrieb er klar und deutlich:

"Doubt has sometimes been cast upon the protective effects of rabies antibodies in serum (...) Cellular immunity is also largely involved in protection. Nevertheless, a large number of laboratory experiments and field observations clearly demonstrate that cats and dogs which develop antibodies after vaccination and before challenge have a very high probability of surviving any challenge, no matter how strong the dose and which virus strain was used."

Es wurde in vielen Laborexperimenten und durch Beobachtungen im Feld gezeigt, dass Katzen und Hunde, die nach Impfung Antikörper entwickeln, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit jede Belastungsinfektion überleben. Egal wie hoch die Erregerdosis war und egal welcher Virusstamm verwendet wurde. 

Auf Basis dieser Arbeit von Aubert wurde der international gültige Tollwut-Mindestimpftiter festgelegt, nämlich 0,5 IE (oder IU/ml).

"The security of the protection constituted by this threshold" - gemeint war der noch zu bestimmende Mindesttiter - "would be increased by the extent to which it excedes the level recognised as effective against experimental challenge in cats and dogs (0.1 IU/ml and 0.2 IU/ml, respectively, measured by RFFIT)."

Der (mittlerweile seit langem gültige) internationale Mindestwert von 0,5 IE enthält eine beträchtliche Sicherheitsmarge, denn Katzen sind schon mit 0,1 IE nachweislich geschützt und Hunde mit 0,2 IE. 


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Halten wir fest: Es ist wissenschaftlich bestens belegt, dass Haustiere mit Impfantikörpern gegen eine Tollwutinfektion geschützt sind. Die Evidenz ist so gut, dass in vielen Ländern auf die früher übliche lange Quarantäne verzichtet wurde. 

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Und wie ist das beim Tollwutimpfschutz für Menschen?

Das erläuterte Professor Schultz in seinem Statement für das Hearing:

"As outlined by the Centers for Disease Control (CDC), to determine if vaccinated humans at high risk of rabies exposure are actually protected, antibody titer testing is performed every two years. If a certain level of antibody is detected, the person is considered protected against rabies and is not revaccinated. Anecdotal evidence of vaccinated humans maintaining protective antibody against rabies virus for decades after initial vaccine series is common." (Hervorh. MP)

Bei Personen mit hohem Risiko (beispielsweise Labormitarbeiter) wird der Titer regelmäßig kontrolliert. Es wird NICHT nachgeimpft, wenn der Mindesttiter vorhanden ist.

Der beträgt übrigens ebenfalls 0,5 IE, wie man auf der Website des Robert-Koch-Instituts nachlesen kann. Auch in Deutschland werden Hochrisikopersonen nur dann nachgeimpft, wenn ihr Titer unter 0,5 IE gefallen ist.

Und: Es gibt viele Beispiele dafür, dass geimpfte Personen diesen Mindesttiter noch Jahrzehnte nach der Grundimmunisierung aufweisen.**


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Beim Menschen verlässt man sich auf Titerkontrollen, und zwar mit bestem Erfolg.  

Bei Katzen und Hunden aber sollen Titerkontrollen nichts aussagen?

Dass das Blödsinn ist, wissen natürlich auch die Herrschaften, die aus lauter Sorge um die öffentliche Gesundheit gegen den Gesetzentwurf aufgetreten sind. 

Falls nicht, sollten sie die Studie von Michael C. Moore et al. aufmerksam lesen. Aus ihr resultieren sogar praktische Empfehlungen der Tierärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst der USA, und zwar für den Umgang mit exponierten Katzen und Hunde, deren Tollwutimpfung abgelaufen ist.  


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Für manche Veterinärmediziner gibt es offenbar zweierlei Immunbiologie: eine für Säugetiere mit aufrechtem Gang und eine für Vierfüßer. 

Sollte man dann nicht endlich aufhören mit Tierversuchen?


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Wahrscheinlich wird der Gesetzentwurf in Connecticut scheitern. Die Gegner verfügen über viel Einfluss, die Tierhalter/innen haben keine starke Lobby.  


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Interessant ist die Debatte deshalb, weil sie exemplarisch zeigt, was für einen Eiertanz die Veterinärmedizin mit Impftitern aufführt. 

Wenn Messungen zu WENIGER (oder gar keinen) Nachimpfungen führen könnten, sind Titer auf einmal wertlos

Aber von entscheidender Bedeutung sind sie, wenn es darum geht, unnütze Nachimpfungen zu verkaufen


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Man sieht: Für alternative facts braucht man keinen Trump. 




*Ob der zweite Teil des Vorschlags, die Dosishalbierung, sinnvoll ist, kann man bezweifeln. Nicht zu Unrecht hat die Vertreterin des US-Tierarztverbands AVMA darauf hingewiesen, dass Tiere, die auf Bestandteile von Tollwutimpfstoffen allergisch reagieren, durch eine verminderte Dosis nicht gefeit wären: Allergische Reaktionen können auch durch winzigste Mengen des Allergens ausgelöst werden. Dazu kommt, dass Haustiere in Connecticut schon jetzt aus medizinischen Gründen von der Nachimpfung befreit werden können.

**Die Ergebnisse der US-Langzeitstudie (finanziert durch den Rabies Challenge Fund) sollen bald veröffentlicht werden. Laut Ron Schultz haben sie gezeigt, dass Hunde mit messbarem Titer bis zu neun Jahre nach einer einzigen Impfung gegen eine Belastungsinfektion mit scharfem Tollwutvirus geschützt sind.



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Samstag, 15. April 2017

"Wie Tierärzte Kasse machen"



Der Plus-Minus-Beitrag "Wie Tierärzte Kasse machen" vom 12. April steht ab jetzt ein Jahr lang in der ARD-Mediathek (Textversion und Video).

Traurig, dass der Hamburger Tierarzt Dirk Schrader anscheinend der einzige Veterinär in ganz Deutschland ist, der sich offen und kritisch mit dem eigenen Berufsstand auseinandersetzt. Fast immer, wenn Medien über fragwürdige Zustände in der Kleintiermedizin berichten, muss Schrader ran. 


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Es ist leider nicht überzeugend, was die Autoren zum Problem Überimpfung präsentiert haben. 

Da sollen also Hunde gegen "Tollwut, Staupe und Hepatitis" nachgeimpft werden. Seltsam, dass da Parvo fehlt.

Dass Tierhalter dabei von manchen Tierärzten mit überhöhten Preisen geschröpft werden, ist empörend, aber es ist nicht das Hauptproblem

Warum soll man überhaupt gegen Staupe und Hepatitis (sowie Parvo) nachimpfen, wenn doch klar ist, dass der Schutz nicht nach einem Jahr oder nach drei Jahren urplötzlich verschwindet? Das wurde nur am Rande thematisiert, durch Schraders Aussage, bei diesen "gedrängten wiederholten Impfungen" werde das Immunsystem "außer Gefecht gesetzt". 

An der Stelle hätte man klarstellen müssen, dass Auffrischungen nicht nur das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen, sondern auch und vor allem überflüssig sind, weil sie den Schutz gegen Staupe, Hepatitis und Parvo gar nicht erhöhen.

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Nicht überzeugend ist auch die Erklärung, die für die Überimpferei angeboten wird, nämlich der zunehmende Konkurrenzdruck. Den gibt es sicherlich, zumal in attraktiven Städten mit viel zahlungskräftiger Kundschaft. Allerdings waren große Kombis schon vor 15 Jahren beliebt, das ist kein neuer Trend, genauso wenig die erheblichen Preisunterschiede von Praxis zu Praxis. 


Dienstag, 11. April 2017

TV-Hinweis: Plus-Minus, Mittwoch, 12. April, "Wie Tierärzte Kasse machen"


Das ARD-Magazin Plus-Minus bringt am morgigen Mittwoch einen Beitrag mit dem Titel 

"Behandlung für Hund und Katze - 
Wie Tierärzte Kasse machen".


In der Programmvorschau heißt es:

Eine Magensonde für die Katze - obwohl Miez kerngesund ist? Sechsfach-Impfungen für den Hund - obwohl längst alle nötigen Impfungen im Impfpass stehen? Tierärzte können sehr erfinderisch sein, wenn es darum geht, Herrchen und Frauchen ihrer Patienten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Plus-Minus "hat in einer Stichprobe Vierbeiner und ihre Besitzer bei Tierarztbesuchen begleitet und dabei fragwürdige Diagnosen und Therapieempfehlungen zu hören bekommen".

Gesendet wird dieser sicherlich verdienstvolle Bericht um 23:00 Uhr

Da liegen viele Tierhalter/innen schon im Bett, vor allem diejenigen, die in aller Frühe mit dem Hund rausgehen. 

Aber zum Glück gibt's ja die Mediathek