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Samstag, 23. Juli 2016

Lepto 4: Warnung wegen AIHA usw. soll doch in den Beipackzettel




Laut European Medicines Agency (Ema) soll der Hinweis auf

- immunvermittelte hämolytische Anämie (AIHA), 

- immunvermittelte Thrombozytopenie und 

- immunvermittelte Polyarthritis 

als "sehr seltene" Nebenwirkungen des Lepto-Vierfachimpfstoffs Nobivac L4 doch öffentlich zugänglich werden. 

Und zwar in der "summary of product characteristics" UND in den Packungsbeilagen. 

Wann das allerdings der Fall sein wird, weiß man nicht: 

"The procedure to implement the changes to the product information is currently ongoing", teilte uns die Ema mit. 

("Das Verfahren zur Umsetzung der Änderungen ist derzeit im Gange.")

"Currently" ist gut. Seit 2014 sind sie an der Sache dran. 



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Bei "Nutz"-Tieren sind die nationalen und europäischen Behörden schneller

Kürzlich wurde der Vertrieb von Velactis (einem "Trockensteller" für Milchkühe) eingestellt, nachdem Hunderte schwere Nebenwirkungen und 22 Todesfälle (von März dieses Jahres bis Mitte Juni) bei der Ema gemeldet worden waren. 

Das zuständige Gremium der Ema hat unverzüglich begonnen, Nutzen und Risiken des Medikaments zu prüfen. 


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Preisfrage: Wie viele Todesfälle und schwere Nebenwirkungen muss es geben, bis ein Hunde-Impfstoff vom Markt zurückgezogen wird?





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Donnerstag, 21. Juli 2016

Blütenlese Tollwut




Schon gewusst, dass Leverkusen ein "Tollwutgebiet" ist?

Das behauptet die "Rheinische Post" in einem Online-Artikel, in dem davor gewarnt wird, Tiere aus Tollwutländern mitzubringen oder Welpen dubioser Herkunft zu kaufen.

Erst wird der örtliche Amtstierarzt zitiert mit der Feststellung, dass es in Deutschland "seit 2005 keine Tollwut mehr" gibt. 

Tendenziell zutreffend, aber doch nicht ganz korrekt: Der letzte Fall von Tollwut bei einem terrestrischen (am Boden lebenden) Wildtier wurde im Februar 2006 in Rheinland-Pfalz verzeichnet. Den Status tollwutfrei erhielt Deutschland rund zweieinhalb Jahre später, im Herbst 2008. Nordrhein-Westfalen ist bereits seit 2001 frei von terrestrischer Tollwut.

Dann heißt es: 

"Auch Leverkusen ist ein Tollwutgebiet. Schilder unter anderem an der Bonner Straße in Opladen warnen davor."

Nein. Leverkusen ist KEIN Tollwutgebiet (und auch kein tollwutgefährdeter Bezirk). 

Die Schilder sind schon längst veraltet. 

Da hat die Lokalpresse mal wieder knallhart recherchiert.


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Verlässliche amtliche Info zur Tollwutsituation in Deutschland gibt es hier (von 2011, aber nach wie vor gültig). 




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Mittwoch, 13. Juli 2016

Lepto-Schlagzeilen in Großbritannien



Ist der Lepto-Vierfachimpstoff Nobivac L4 gefährlich? Ist er gefährlicher als andere Lepto-Impfstoffe? Presseberichte in Großbritannien erwecken diesen Eindruck. 

Ist da was dran?

Das britische Veterinary Medicines Directorate (VMD) hat uns auf Anfrage ein paar Daten zu den Nebenwirkungsmeldungen im Zusammenhang mit Nobivac L4 geschickt. 

Demnach gab es in den dreieinhalb Jahren seit der Zulassung (Daten bis einschließlich Januar 2016) tatsächlich etwa 2000 Meldungen. 

Aber: Laut VMD wird gegen Lepto selten einzeln geimpft, meistens werden gleichzeitig Impfstoffe gegen Staupe, Hepatitis, Parvo usw. verabreicht. Daher ist unklar, welches der Produkte die Nebenwirkungen verursacht hat.

Unter den rund 2000 Meldungen steht Lethargie an erster Stelle, gefolgt von Erbrechen, Durchfall, Fieber, Appetitverlust, Schmerzen an der Impfstelle usw. 

Die meisten gelisteten Impfreaktionen sind allergischer Art, wie in anderen Auswertungen von UAW-Meldungen auch.    

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Bedenklicher ist allerdings dies:

Im "Public Bulletin" der Europa-Arzneimittelbehörde Ema zu Nebenwirkungen von Veterinärpharmazeutika im Jahr 2015 heißt es zu Nobivac L4, 

dem Zulassungsinhaber (MSD Animal Health) sei empfohlen worden, seine Produktliteratur um die folgende Warnung zu ergänzen: 

"In sehr seltenen Fällen sind klinische Anzeichen von immunvermittelter hämolytischer Anämie, immunvermittelter Thrombozytopenie oder immunvermittelter Polyarthritis beobachtet worden" (Übers. MP). 

Also: lebensgefährliche Blutarmut nach der Impfung, lebensgefährliche Blutungsneigung nach der Impfung und (i. d. R. behandlungsbedürftige und gar nicht harmlose) Gelenksentzündungen nach der Impfung. 


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Was meinen die mit "Produktliteratur"? 

Für Tierhalter zugängliche Produktinformationen meinen sie nicht. 

Beipackzettel oder die Ema-Impfstoffbeschreibung könnte man ja im Internet finden. 

Wir fragten die englische Veterinärbehörde VMD, ob denn auch die Hundehalter/innen diesen Warnhinweis irgendwo werden nachlesen können. 

Die Antwort der Dame vom VMD (Übers. u. Hervorh. MP): 

"Das Produkt ist verschreibungspflichtig, deshalb sollten (...) die Warnungen Sache des Tierarztes sein, der dann dem Tierbesitzer alle Risiken erläutern kann."

Ach so. 

Wo man ja weiß, wie eifrig Tierärzte über Impfrisiken aufklären. Ob in Großbritannien oder bei uns. 


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Lepto-Impfstoffe sind grundsätzlich nicht besonders verträglich, darauf haben wir in diesem Blog schon zigmal hingewiesen. 

In der Humanmedizin sind Impfstoffe aus ganzen Bakterien (Bakterine) nahezu verschwunden. In der Tiermedizin natürlich nicht. 

Besonders nebenwirkungsträchtig sind Bakterine aus gram-negativen Bakterien (etwa Leptospiren und Borrelien), Stichwort endotoxische Reaktion.

In der Großtiermedizin weiß man das, da werden die Viehhalter auf dieses Risiko hingewiesen: "Nicht mehr als zwei Gram-Negative gleichzeitig bei Milchkühen, nicht mehr als drei Gram-Negative bei Fleischrindern", u. ä. 

Kann sein, dass Nobivac L4 schlechter verträglich ist als die Vierfach-Produkte der Konkurrenz; kann aber auch nicht sein. 

Zumal die Marktanteile der konkurrierenden Lepto-Vierfachimpfstoffe nicht öffentlich gemacht werden.



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Uns käme gar kein Lepto-Impfstoff ins Tier. Weder dieser hier noch irgendein anderer



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Montag, 4. Juli 2016

Lepto-Vierfachimpfstoff: Eine Zeitungsmeldung und ein Dementi



Die britische Tageszeitung "Telegraph" (online) hat vorigen Samstag die Nation erschreckt: Seit 2014 soll es 2000 Berichte über schwere Nebenwirkungen durch den Lepto-Vierfachimpfstoff Nobivac L4 gegeben haben, darunter mindestens 120 Todesfälle.

Die zuständige Behörde Veterinary Medicines Directorate (VMD) hat diese Angaben nicht bestätigt. 

Laut "Telegraph" machen sich britische Hundehalter jetzt Sorgen, dass das wahre Ausmaß des Problems vor der Öffentlichkeit verschleiert werden soll. 

Das Blatt schreibt außerdem, die europäische Zulassungsbehörde Ema habe 2014 zusätzliche Warnhinweise zu diesem Produkt verlangt, damit dessen Risiken verdeutlicht würden. Es gebe Signale hauptsächlich wegen akuter allergischer Reaktionen und wegen verschiedener immunvermittelter Störungen wie Anämie, Thrombozytopenie und Arthritis. 

Im deutschen Beipackzettel (und, soweit ersichtlich, im britischen) ist davon allerdings nichts zu finden. Dort sind unter Nebenwirkungen nur erhöhte Temperatur, Lethargie, Appetitlosigkeit, Schwellungen an der Impfstelle und akute allergische Reaktionen aufgeführt. 

Im "Telegraph" heißt es weiter, der Welttierärzteverband WSAVA habe die Hundehalter aufgefordert, Nobivac L4 nicht bei Welpen unter 12 Wochen verabreichen zu lassen. 

Es hätte uns schwer gewundert, wenn die WSAVA tatsächlich eine Warnung vor einem bestimmten Impfprodukt ausgesprochen hätte. Oder auch nur die Empfehlung, ein bestimmtes Impfprodukt anders anzuwenden als vom Hersteller angegeben. 

Die WSAVA hat diese Behauptung des "Telegraph" inzwischen dementiert: Sie entspreche absolut nicht der Wahrheit. 


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Man kann nur rätseln, warum das Blatt diese Geschichte veröffentlicht hat. 

Für seine Angaben - 2000 Nebenwirkungsmeldungen, mindestens 120 Todesfälle - werden keine Quellen genannt: "Die Überwachungsbehörde hat sich (...) geweigert, die Gesamtzahl der betroffenen Tiere seit Markteinführung des Produkts offenzulegen" (Übers. MP). 

Ja, woher hat der "Telegraph" dann diese Zahlen?

Wahrscheinlich von der Konkurrenz

Hinter den Kulissen geht es unter Impfstoffherstellern manchmal hoch her, auch und gerade am lukrativen britischen Markt mit seinen hohen Preisen.  


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Lepto-Impfstoffe sind unbekömmlicher als andere, weil es sich um Ganzkeimimpfstoffe handelt ("dirty vaccines"). 

Im Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts über gemeldete Impfnebenwirkungen 2013 und 2014 sind Lepto-Impfstoffe "sehr prominent vertreten mit 135 Meldungen". 

Was sagen Experten für Leptospirose beim Menschen über die Lepto-Impfstoffe für Tiere?

Das hier:

"Im Handel erhältliche Leptospirose-Impfstoffe sind bei Nutztieren breit angewendet worden und in einigen wenigen Ländern für Menschen zugelassen (...) Diese Impfstoffe bestehen aus abgetöteten ganzen Zellen (Bakterine) und leiden unter mehreren Einschränkungen, so etwa verminderte Schutzwirkung, die die Besiedelung der Nieren nicht verhindert und auch nicht die Ausscheidung des Erregers bei geimpften Tieren. Die Impfstoffe erzeugen zudem keine Langzeit-Immunität und wirken nur gegen die Serovaren, die in den Produkten enthalten sind. Dazu kommt, dass die derzeit verfügbaren Impfstoffe eine Reihe von Verunreinigungen enthalten, die aus dem Herstellungsprozess herrühren und mit ziemlich schweren Nebenwirkungen verbunden sind" (Übers. und Hervorh. MP).

Mit Verunreinigungen (contaminants) sind die hochreaktiven Bakterienbestandteile gemeint, die in diesen Ganzkeim-Impfstoffen immer enthalten sind. 





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Freitag, 17. Juni 2016

"Weniger regelmäßige Impfungen"




Laut "Bundesverband für Tiergesundheit"

= Lobbyorganisation für Veterinärpharmahersteller

war 2015 "eine sinkende Bereitschaft zur regelmäßigen Impfung von Hund und Katze zu beobachten". 

Aha. Katzen und Hunde bekommen also weniger Nachimpfungen reingehauen.

Das soll uns recht sein. 


Samstag, 21. Mai 2016

WSAVA-Richtlinien für Welpenkäufer: Kommentar zu einem Leserkommentar



Unser drei Jahre alter Beitrag über die WSAVA-Richtlinien für Welpenkäufer, der populärste dieses Blogs, wird momentan wieder extrem oft angeklickt.  

Warum, wissen wir nicht, aber gut so: Möglichst viele Hundehalter/innen sollten wissen, dass die SHP-Nachimpferei den Schutz NICHT erhöht, wenn das Tier bereits Immunität aufgebaut hat. 

Geimpft ist geimpft. Mehr geimpft als geimpft geht nicht. 


Und das sagt nicht irgendwer, sondern die Vaccination Guidelines Group des Weltverbands der Kleintierärzte (WSAVA). 


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Ein Leser/eine Leserin ist damit aber gar nicht einverstanden

>>Nichts desto trotz sollten regelmäßige "Auffrischungen" erfolgen. Gerade der Parvo-Virus ändert sich gerne mal, sodass eine Impfung dann auch eine aktuelle Immunität setzt. Sonst kommt es nämlich zu den "rätselhaften" Impfdurchbrüchen. Es sollte auch bei Haushunden unbedingt auf eine aktuelle Impfung gegen den sogenannten Zwingerhusten geachtet werden. Nicht geimpfte Hunde verteilen diesen lustig auf der Hundewiese und überall sonst, wo sie sind. Übrigens können auch Menschen an diesen Virus (ähnlich dem Grippevirus) erkrankten.<< (Original-Rechtschreibung)



Unsere Anmerkungen zu dieser Zuschrift: 


1. Der Schreiber/die Schreiberin sollte nicht uns belehren, sondern die Vaccination Guidelines Group. Deren Vorsitzender ist Professor Michael Day, wohnhaft und erreichbar in England. 


2. "Gerade der Parvo-Virus ändert sich gerne mal, sodass eine Impfung dann auch eine aktuelle Immunität setzt."

Das ist Käse. 

- Das Parvovirus (nicht: der) hat sich zwar verändert seit seinem schlagartigen Auftauchen vor rund 40 Jahren, statt CPV 2 haben wir nun CPV 2a, 2b und 2c. Aber antigenetisch unterscheiden sich diese neueren Virusvarianten NICHT sehr stark vom alten CPV 2.

- Die meisten Parvo-Impfstoffe sind alles andere als neu, manche sind seit mehreren Jahrzehnten am Markt. Auch die neueren sind mehr als zehn Jahre alt. Es ist NICHT so, dass die Hersteller dauernd neue Parvo-Impfstoffe entwickeln. Das ist nach heutigem Stand der Forschung gar nicht nötigLaut Herstellern und Parvo-Experten schützen die alten CPV-Impfstoffe (basierend auf CPV 2 oder 2b) vor den neuen Varianten, also 2a, 2b und 2c. Dazu sind etliche Studien veröffentlicht worden. 

- Wie die immer gleichen, alten Impfstoffe durch häufig wiederholte Gabe eine "aktuelle" Immunität "setzen" sollen, ist uns schleierhaft.

Oder wird ein Impfstoff dadurch "aktueller", dass man ihn jährlich oder alle paar Jahre wieder reinhaut? Das wäre ja ein biologisches Wunder



3. "Es sollte auch bei Haushunden unbedingt auf eine aktuelle Impfung gegen den sogenannten Zwingerhusten geachtet werden. Nicht geimpfte Hunde verteilen diesen lustig auf der Hundewiese und überall sonst, wo sie sind. Übrigens können auch Menschen an diesen Virus (ähnlich dem Grippevirus) erkrankten."

Auch Käse. 

Professor Ron Schultz: Zwingerhusten - oder, wie er es nennt, canine cold = Hundeerkältung - ist keine impfpräventable Erkrankung. Und zwar, weil es nur gegen drei der vielen verschiedenen Erkältungserreger Impfstoffe gibt. 

Und, nein, Menschen können NICHT durch den Hundeerkältungserreger canines Parainfluenzavirus erkranken (das "Pi" in den Kombi-Produkten). 

Auch nicht durch den Hundeerkältungserreger canines Adenovirus 2 (das CAV 2 oder H oder HAV in den Kombi-Produkten). 

Übertragbar und potentiell gefährlich für (stark immungeschwächte) Menschen ist lediglich der bakterielle Erreger Bordetella bronchiseptica (B. b.).

Immungeschwächten Menschen ist aber auch nicht geholfen, wenn man Hunde gegen B. b. impft. Denn die Wirksamkeit dieser Impfstoffe ist notorisch bescheiden. 

Die Hersteller behaupten natürlich etwas anderes. Ihre Studien (unabhängige gibt es gar nicht) sind methodisch ziemlich schlecht, wie Ellis in seiner Übersichtsarbeit von 2015 feststellt. 

Kein Hersteller kann behaupten, dass die Impfung die Infektion mit B. b. verhindert

Und: Sieben Wochen lang (Bronchi-Shield), resp. sechs Wochen lang (Nobivac BbPi) nach der Impfung sollen sich immungeschwächte Menschen von den geimpften Hunden fernhalten, weil die Tiere das Lebendimpfbakterium so lange ausscheiden. Immungeschwächte Menschen können sich mit mit ausgeschiedenem Impfbakterium infizieren und daran erkranken.  

Außerdem: Das Impfbakterium kann auch die Impflinge selbst krankmachen (Husten, Niesen, Augenausfluss). Hält das länger an, soll man die Impflinge laut Beipackzetteln der beiden Produkte mit einem Antibiotikum behandeln.

Wirklich doll, diese Impfstoffe. 


PS: Zum Thema Parvo-Nachimpfung siehe auch hier



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Donnerstag, 19. Mai 2016

Tiermedizin als Konzerngeschäft



Der Mai ist der Monat der vielen kirchlichen Feiertage. 

Offenbar vom Gedanken der christlichen Vergebung beseelt, betreibt MSD/Intervet im Vereinigten Königreich seit vielen Jahren die Monats-Aktion "vaccination amnesty" = Impf-Begnadigung. Die teilnehmenden Praxen wählen dafür oft den Mai. 

Worum geht's? Tierhalter bekommen für ihre Katzen, Hunde oder Pferde eine "neue Grundimmunisierung" zum halben Preis, wenn der - natürlich jährliche - Nachimpftermin überschritten wurde. Also zwei Impfungen kurz hintereinander zum Preis von einer. 

Dass es für "neue Grundimmunisierungen" beim ein- oder mehrmals vorgeimpften Tier nicht den Schimmer einer medizinischen Notwendigkeit gibt, ist völlig wurscht

Hier geht es nicht um Medizin und Immunologie, sondern um Umsatz und Gewinn von Pharma und Tierärzten. 

Die Tierhalter/innen glauben, sie machen ein Schnäppchen. Dabei werden sie nach allen Regeln des Marketings über den Tisch gezogen. 


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Der britischen Tierklinik-Kette Willows Vetgroup (19 Praxen in Manchester, Cheshire usw.) ist ein Monat nicht genug. 

In ihrer christlichen Vergebungsbereitschaft hat sie die Begnadigung auf das ganze Jahr ausgeweitet.

In den Willows-Praxen werden Haustiere nunmehr von Januar bis Dezember zum halben Preis vollgepumpt. 

"If your pet has missed their annual booster they will need to start the full vaccination course again.
We feel so strongly about this that we have taken the decision to have an all year round Vaccination Amnesty."

"Wenn Ihr Haustier seine jährliche Auffrischung verpasst hat, muss es noch mal ganz von vorn geimpft werden. Uns liegt das so sehr am Herzen, dass wir beschlossen haben, die Impf-Begnadigung ganzjährig anzubieten."

Wie rührend.  
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Dass die Impf-Abzocke in einer Tierklinik-Kette dermaßen auf die Spitze getrieben wird, ist kein Zufall. 

In Großbritannien ist die Kommerzialisierung der Tiermedizin weiter fortgeschritten als hierzulande.*

Und davor kann einem nur grauen.

Nationale und internationale Impf-Richtlinien mit etwas verlängerten Impfabständen?

Pah.

Immunologische Prinzipien?

Ha, ha. Doch nicht in der Tiermedizin.



(*) In Deutschland stehen der Einverleibung von Tierarztpraxen in Konzerne - noch - gesetzliche Regulierungen entgegen (Kapitalbeteiligungsverbot). Aber ein Konzern aus Schweden (Anicura) hat sich schon als Minderheitsgesellschafter in einige deutsche Tierarztpraxen eingekauft. In den USA hat Mars Petcare den Banfield-Tierklinikkonzern geschluckt, was eine schöne Wertschöpfungskette ergibt: erst die Tiere krankmachen mit Industriefutter, dann für teures Geld behandeln. 



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